
Schmuckstück im ehemaligen Pferdestall der kaiserlichen Poststation
Oberhausen-Rheinhausen (ber). „Auf dieses Schmuckstück sind wir alle stolz“, bekennt der Heimatvereinsvorsitzende Heinz Kraus. In einer Glasvitrine des Rheinhausener Postmuseums steht jetzt eine Top-Sehenswürdigkeit: Gleich im Eingangsbereich ist das von Theo Buggle gefertigte Postkutschenmodell im Maßstab 1:10 zu bestaunen.
Mit seinem Meisterwerk ersetzt der Rheinhausener Hobbykünstler eine Leihgabe, die vor geraumer Zeit dem Eigentümer wieder zurückgegeben werden musste. Das neue Postkutschengespann mit den vier Pferden ist immerhin 1,20 Meter lang. Gelbe Postkutschen in der Machart des Rheinhausener Modells dürften wohl vor etwa 250 Jahren im Einsatz.
Aus Sicherheitsgründen befindet sich das kostbare Gespann hinter Glas. Genau 260 Stunden musste der gelernte Elektrotechniker an diesem Kunstwerk arbeiten und jedes Detail in mühevoller Kleinarbeit selbst herstellen. 2010 hatte er sich an das ehrgeizige Vorhaben gemacht. Lediglich die Pferde kaufte der Verein hinzu. Nicht irgendwo, sondern in den Vereinigten Staaten, weil es dort die schönsten und maßstabsgetreuesten Pferdchen gibt.
Buggle vermutet, dass es sich bei dem Original um eine kurpfälzische Postkutsche handelte, die zwischen Schwetzingen, Oftersheim und Walldorf unterwegs war. Die kleinen Kutscher bestehen aus Salzteig. Hinten, auf den billigen Plätzen, sitzen Studenten aus der damaligen Zeit.
Wie kam es zur Poststation in Rheinhausen? Maximilian I. von Habsburg wollte eine regelmäßige Kurierpost von Innsbruck nach Mecheln bei Brüssel einrichten und beauftragte daher die Familie Taxis aus Bergamo mit der Organisation. Ihre Idee: eine Stafettenpost. Da die Stadt Speyer auf ein entsprechendes Angebot nicht reagierte, bestimmte der Regent das kleine Rheinhausen an der Fähre zum Postort. So gab es bereits 1490 die erste Poststation, die in der Mitte der Poststrecke von Innsbruck nach Brüssel lag. Dafür brauchte der Postbote, wenn er sich anstrengte, fünfeinhalb Tage.
Die Familie Taxis errichtete bereits 1552 ein eigenes Posthaus am Ort und setzte lange Zeit Familienmitglieder als Postmeister ein. Doch 1745 wurde die wichtige Poststation aufgelöst. Mit der Einführung der „Geschwinden Postwagen-Route“ hatte Rheinhausen an Bedeutung verloren. Der Bau der Rheintalbahnstrecke und der Einsatz von Eisenbahnen bedeuteten das Aus für den Kutschenverkehr. Seit 1985 ist das inzwischen grundsanierte Gebäude im Besitz der Gemeinde. Der ehemalige Pferdestall wurde zu einem schmucken Postmuseum mit vielen Sehenswürdigkeiten umgestaltet, das der Heimatverein betreut. Anmeldungen zu Führungen bei Heinz Kraus, Telefon (07254) 1219.